Meldung:
von SPD-Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel
Begeisterung und Politik
Obama war erfolgreich, weil Millionen sich auf den Weg gemacht haben
mehr von Kajo Wasserhövel finden Sie unter http://kajowasserhoevel.de/
"In den vergangenen Wochen mündeten viele Gespräche, die ich über Politik hatte, schnell bei Obama und in einem unausgesprochenen Seufzer bei vielen Gesprächspartnern “Ach, ich möchte auch mal wieder so begeistert werden.” Meistens das Ganze verbunden mit melancholischen Bemerkungen über die deutsche Politik, die deutschen Politiker und die Parteien und das Gezerre bei jedem Thema.
Ich finde diese Gesprächsverläufe manchmal leicht irritierend. Zum einen gibt es in Deutschland - und zwar aus Gründen der deutschen Geschichte - eine Zurückhaltung bei Pathos; man lässt sich hierzulande nicht so gerne “mitreißen” von großen Reden und Führungspersönlichkeiten. Zum anderen kann der Mut in Politik und Gesellschaft, große Veränderungen anzupacken, sicher noch wachsen.
Es gibt in unserem Land Millionen Menschen, die sich engagieren. In den Parteien, in den Wohlfahrtsorganisationen, im Sport, im ehrenamtlichen Bereich. Es sind die stillen Heldinnen und Helden in unserem Land, die nicht nur reden sondern machen. Johannes Rau hat einmal davon gesprochen, dass dies der “Kitt” ist, der unsere Gesellschaft zusammenhält.
Dazu kommt nach meiner Beobachtung ein weiterer Punkt: Es gibt sie doch, die großen Themen. Die allermeisten Menschen wollen doch in einem Land leben, in dem die Talente jedes Kindes früh erkannt und gefördert werden. Kein Kind soll weggeschoben werden.
Gute Politik ist immer auch eine Politik, die ermutigt und nicht nur spricht, sondern auch macht. In Deutschland sind wir im Bereich der Chancengleichheit in den vergangenen Jahren nicht besser geworden.
Die Einführung der Studiengebühren in vielen CDU-geführten Länden sind nun ein Stolperstein für viele junge Menschen geworden. Ein Deutschland in dem alle Kinder gute Chancen haben, gefördert und behütet werden, ist eine tolle Vision. In der Politik muss man über die Wege streiten und sich dann auf die Schritte verständigen.
Oder ich will ein weiteres Thema ansprechen: Unsere Bevölkerung wird im Durchschnitt älter. Das bringt neue Herausforderungen mit sich (wie sorgt man für mehr altersgerechte Wohnungen, was kann man konkret in seiner Stadt in seinem Kiez gegen Einsamkeit tun?); aber es bietet auch neue Chancen.
Viele älter werdende Männer und Frauen haben Zeit und Lebenserfahrung. Was können wir politisch machen, damit sie ihre Kraft auch einbringen können, um ein gutes Zusammenleben möglich zu machen?
Das sind nur einige Beispiele. Ich will damit sagen: Es gibt sie, die großen Ziele. Und ob sie erreicht werden hängt von allen ab. Von den Parteien und Politikerinnen und Politikern. Aber eben auch davon, ob mit angepackt wird. Ob man sich begeistern lässt und selber Hand anlegt.
Und das ist aus meiner Sicht die Lehre aus dem amerikanischen Wahlkampf. Nicht vordergründig die tollen Aktivitäten im Internet, die großen Reden. Sondern die Bereitschaft von millionen Menschen, die sich selbst mit auf dem Weg gemacht haben."




