Pressemitteilung:

  • 24. Mai 2011
Veranstaltung des SPD Ortsvereins Bocholt-Ost

SPD-Ortsvereine diskutieren mit Hans-Joachim Hebing


v. l.: Ortsvereinsvorsitzende Gerti Tanjsek und 1. Bevollmächtigter der IG Metall, Hans-Joachim Hebing

Der SPD Ortsverein Bocholt Ost hatte zu einer Diskussion zum Thema „Leiharbeit“ mit dem 1. Bevollmächtigten der IG Metall, Hans-Joachim Hebing, eingeladen. Fast 30 Interessierte, darunter auch die Vorstände anderer Bocholter SPD-Ortsvereine waren gekommen, um sich zu informieren.

„Das Wort „Leiharbeit“ impliziert, dass etwas „ausgeliehen“ wird. Doch man leiht Dinge aus und keine Menschen“. Mit diesen Worten begann das Referat von Hans-Joachim Hebing.

„Es gibt bei den abhängig Beschäftigten mittlerweile wieder ein 3-Klassensystem“, so Hebing, „unten sind die Leiharbeiter, darüber die befristet Beschäftigten und oben die unbefristet Beschäftigten".

Leben mit der Leiharbeit

Leiharbeit wird von der IG Metall, neben u.a. befristeter Beschäftigung, als prekäre Beschäftigung bezeichnet. Es sieht aus, als würde der gesamte wirtschaftliche Aufschwung nur über prekäre Beschäftigung gestaltet. Denn etwa 42% der neuen Stellen wurden in der Leiharbeit, etwa 43% durch befristete Arbeitsverträge geschaffen. In der BRD sind mittlerweile über 1 Mio. Menschen in der Leiharbeit. Etwa 1.383.000 Menschen mussten 2010 ihren Lohn aufstocken, weil sie von dem geringen Verdienst nicht leben können.

Unmoralisch niedrige Entlohnung und fehlende Solidarität

7,59 € ist der Stundenlohn als Leiharbeiter, wenn man nach dem Tarifvertrag BZA und IGZ als Helfer eingesetzt wird. Der durchschnittliche Leiharbeitslohn beträgt nur ca. 1300 € monatlich brutto.

Diese Entlohnung ist unmoralisch aber gesetzlich! Hebing beklagte insoweit die Entsolidarisierung der Gesellschaft, die sich kaum um die Verbesserung der Situation kümmere.

Was muss die Politik ändern?

„Was aber können wir tun?“ fragte die OV Vorsitzende Gerti Tanjsek.

Die Antwort ergibt sich aus der Position der IG Metall, die sich hier ganz nach dem Europäischen Recht richtet. Leiharbeit muss fair gestaltet werden, bestehende Gesetze müssen geändert werden.

Zeitliche Begrenzung von Leiharbeit muss verringert werden, nach sechs Monaten soll eine Übernahme in den Beschäftigungsbetrieb erfolgen. Zugleich ist "Equal Pay – gleicher Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit das Ziel.“ Hans-Joachim Hebing regte demgemäß an, die Politik aufzufordern, die EU - Richtlinie zur Leiharbeit in nationales Recht umzusetzen.

Kann nur die Politik handeln?

Handeln können alle. Dies, so Hebing, ist eine Frage des gesellschaftlichen Bewußtseins und vor allem des politischen Engagements. Betriebsräte z.B. müssen bei der Einstellung von LeiharbeiterInnen gefragt werden; daher können sie, wie vielfach geschehen, mit dem Arbeitgeber Vereinbarungen über eine gleichwertige Entlohnung oder eine Übernahme in die eigene Belegschaft treffen. Leider, so Hebing hängt das immer von der Stärke der Betriebsräte ab. Gefordert ist hier die (Bundes)Politik, weshalb die IG Metall hier weiterhin Öffentlichkeit erzeugt. So gibt es in sehr vielen EU - Ländern schon einen gesetzlichen Mindestlohn, der in Deutschland bislang aber erfolgreich von der Regierung blockiert wird.